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Ratgeber

Mitarbeiter finden per Social Media: Was das 2026 im Handwerk kostet

Agenturen versprechen Bewerbungen aus Facebook und Instagram, die Rechnung kommt monatlich. Hier stehen die Preise, die 2026 aufgerufen werden, ein ehrliches Rechenbeispiel und die Hausaufgaben, ohne die jedes Budget verpufft.

Stand September 2026 · Lesezeit etwa 7 Minuten

Die Lage: weniger Aufträge, trotzdem Suche nach Leuten

Der ZDH meldet im Konjunkturbericht für das erste Quartal 2026 einen Geschäftslageindikator, der von 20 auf 13 Punkte gefallen ist. Die Beschäftigung geht leicht zurück. Gleichzeitig suchen viele Betriebe weiter Fachkräfte und Auszubildende, weil die Leute, die gehen, oft in Rente gehen und nicht ersetzt werden können.

Die Handwerkskammer für München und Oberbayern hat in ihren Handwerkstrends 2026 nachgefragt: Nur zehn Prozent der Betriebe erwarten einen Personalzuwachs, fast ein Drittel rechnet mit Abbau. Bei den Belastungen steht der Fachkräftemangel auf Platz vier, hinter Bürokratie, Steuern und Abgaben sowie Lohnkosten.

Quellen: ZDH-Konjunkturbericht 1/2026; Handwerkskammer für München und Oberbayern, Handwerkstrends 2026.

Das ändert die Rechnung. Ein Betrieb, der 2026 einen Gesellen sucht, konkurriert mit weniger Betrieben um dieselben Leute als noch vor zwei Jahren. Trotzdem meldet sich auf eine Stellenanzeige bei der Agentur für Arbeit oft wochenlang niemand, weil die Gesuchten keine Stellenanzeigen lesen. Sie haben einen Job. Sie scrollen abends durch Facebook oder Instagram, und genau dort setzt Social Recruiting an.

Was Social Recruiting 2026 kostet

Die Preise unten sind Anbieter- und Agenturangaben aus dem Jahr 2026. Sie sind keine Garantie, aber sie zeigen die Größenordnung, mit der ein Betrieb rechnen muss.

PostenSpanneQuelle
Kosten je qualifizierter Bewerbung im Handwerk15 bis 50 EuroTalentBait, TalentSuite
Durchschnitt je Bewerbung über neun Kanäle65 bis 215 EuroTalentBait
Kosten je Einstellung800 bis 3.000 EuroTalentBait, TalentSuite
Agentur-Monatspauschale1.500 bis 3.000 Euro, Mindestlaufzeit meist drei MonateTalentSuite
Standardpaket für Betriebe mit 10 bis 30 Mitarbeiternrund 1.490 Euro im Monatjobtastic
Empfohlenes Werbebudget an Meta oder TikTok1.000 bis 3.000 Euro im MonatFachkraft Jetzt
Agentur, abgerechnet je Einstellung800 bis 2.200 EuroFachkraft Jetzt

Alle Angaben aus den 2026 veröffentlichten Preisübersichten der genannten Anbieter, siehe Quellenliste.

Zwei Dinge fallen auf. Erstens liegt der Preis je Bewerbung im Handwerk niedriger als im Schnitt über alle Kanäle, weil die Zielgruppe klar umrissen ist und die Anzeigen regional laufen. Zweitens kommt zur Agenturpauschale das Werbebudget dazu. Wer 1.490 Euro an die Agentur zahlt und 1.500 Euro an Meta, ist bei rund 3.000 Euro im Monat, und das für mindestens drei Monate.

Rechenbeispiel: 1.500 Euro und eine Einstellung

Nehmen wir einen Sanitärbetrieb mit zwölf Leuten, der einen Anlagenmechaniker sucht und die Kampagne selbst schaltet oder von jemandem im Betrieb schalten lässt.

  • Werbebudget: 1.500 Euro für den Monat
  • Kosten je Bewerbung: 30 Euro, also 50 Bewerbungen
  • Davon passen fünf gut genug für ein Gespräch
  • Davon nimmt einer die Stelle an

Die Einstellung hat dann 1.500 Euro gekostet, plus die Zeit für 50 Antworten und fünf Gespräche. Das liegt im unteren Bereich der Spanne von 800 bis 3.000 Euro, die die Anbieter nennen, und es setzt voraus, dass die 45 Absagen auch verschickt werden. Bleiben sie liegen, spricht sich das herum.

Social Recruiting kauft Aufmerksamkeit, keine Mitarbeiter. Ob aus 50 Bewerbungen eine Einstellung wird, entscheidet sich im Betrieb: auf der Karriereseite, in der Antwortzeit und im Gespräch.

Was vor dem ersten Werbe-Euro erledigt sein muss

Die teuersten Kampagnen sind die, bei denen der Klick ins Leere läuft. Vier Dinge gehören vorher fertig auf den Tisch.

Eine Karriereseite mit echten Bildern

Die Anzeige führt auf eine Seite. Wenn dort ein Stockfoto mit einem lächelnden Model im sauberen Blaumann steht, klickt der Geselle weg. Er will das Team sehen, die Fahrzeuge, die Werkstatt, den Chef. Drei ehrliche Fotos vom Handy schlagen jedes gekaufte Bild.

Bewerbung in zwei Minuten

Kein Anschreiben, kein Lebenslauf als PDF, kein Konto anlegen. Name, Telefonnummer, Beruf, Absenden. Alles Weitere klärt das Telefonat. Jedes zusätzliche Feld kostet Bewerber, und die Kampagne hat für jeden davon bezahlt.

Antwort binnen 24 Stunden

Ein Geselle, der sich abends um 21 Uhr bewirbt, erwartet am nächsten Tag eine Rückmeldung. Bleibt die Antwort drei Tage aus, ist er weg, meist zu dem Betrieb, der am selben Abend zurückgeschrieben hat. Die Antwort muss kein Angebot sein. Ein Satz mit Namen und dem Hinweis, wann der Chef anruft, reicht.

Der Lohn steht drin

Eine Anzeige ohne Gehaltsangabe wirkt, als hätte der Betrieb etwas zu verbergen. Eine Spanne reicht, aber sie muss stehen. Die Bewerber vergleichen ohnehin, und ein Betrieb, der offen sagt, was er zahlt, spart sich die Gespräche mit Leuten, die etwas anderes erwartet haben.

Warum das Büro über den Erfolg entscheidet

Bewerbungen aus Social Media kommen dann, wenn die Leute scrollen: abends, am Wochenende, im Urlaub. Der Betrieb, dessen Büro der Chef ist, hat dann Feierabend. Am Montagmorgen liegen im Postfach die Bewerbungen vom Wochenende, dazu die Kundenanfragen und eine Reklamation, und die Bewerber rutschen auf der Liste nach unten.

Ein E-Mail-Mitarbeiter fängt das ab. Er erkennt eine Bewerbung als Bewerbung, schickt binnen Minuten eine persönliche Eingangsbestätigung mit dem Hinweis, wann der Chef sich meldet, und legt die Bewerbung dort ab, wo sie am Montag als Erstes gesehen wird. Zusagen macht er keine, Gespräche führt er nicht. Aber der Bewerber weiß, dass er angekommen ist.

Dasselbe gilt für den Anruf. Bewerber, die eine Nummer in der Anzeige sehen, rufen an, und sie tun das in der Mittagspause oder nach Feierabend. Ein Telefon-Innendienst nimmt den Anruf entgegen, notiert Name und Rückrufwunsch und meldet ihn weiter. Wie das mit Google-Profil und Bewertungen zusammenspielt, steht unter Sichtbarkeit.

In acht Jahren Schadenservice bei einem Versicherer hat Stefan Fleckenstein über 160 Servicebetriebe begleitet und kennt die Betriebe, die immer Leute fanden. Es waren die, bei denen jede Bewerbung noch am selben Tag eine Antwort bekam.

Zwei Warnungen vor der Unterschrift

Jahresverträge. Manche Agenturen bieten günstigere Monatsraten gegen zwölf Monate Laufzeit. Ein Betrieb mit 15 Leuten sucht selten zwölf Monate am Stück. Drei Monate sind bei den meisten Anbietern die Mindestlaufzeit, und das reicht, um zu sehen, ob es funktioniert. Wenn ein Anbieter ausschließlich mit Jahresvertrag arbeitet, lieber weitersuchen.

Kampagnen ohne Landingpage. Es gibt Angebote, bei denen die Anzeige direkt auf ein Formular des Anbieters führt. Die Bewerberdaten liegen dann beim Anbieter, der Betrieb bekommt eine Liste, und der Bewerber hat den Betrieb nie gesehen. Nach Vertragsende ist alles weg. Die Landingpage gehört auf die eigene Domain, und die Daten gehören in das eigene Postfach.

Wann sich Social Recruiting lohnt

Die Rechnung ist einfach. Ein fehlender Geselle kostet den Betrieb Aufträge, die er nicht annehmen kann, und der Chef steht in der Zeit selbst auf der Baustelle statt im Büro. Gegen diese Kosten sind 1.500 bis 3.000 Euro für eine Einstellung überschaubar, sofern die Einstellung dann auch passiert.

Sie passiert, wenn der Betrieb die vier Hausaufgaben erledigt hat und die Antwort am Abend rausgeht. Sie passiert selten, wenn die Kampagne läuft und im Betrieb alles bleibt, wie es war. Dann ist das Budget bei Meta gut angekommen, der Bewerber aber nie beim Betrieb.

Ein Anfang ohne Agentur ist möglich: Karriereseite bauen, Kurzformular einrichten, Antwortregel festlegen, dann einen Monat mit einem Budget im unteren Bereich der empfohlenen Spanne testen. Erst wenn Bewerbungen kommen und die Antwort läuft, lohnt sich der Schritt zur Agentur, die die Anzeigen dann professionell steuert.

Häufige Fragen

Muss ich für Social Recruiting eine Agentur beauftragen?

Nein. Anzeigen bei Meta lassen sich selbst schalten, und die Anbieter nennen für Kampagnen in Eigenregie 800 bis 3.000 Euro je Einstellung. Eine Agentur nimmt die Steuerung ab und kostet 1.500 bis 3.000 Euro im Monat zusätzlich zum Werbebudget. Für den ersten Versuch reicht meist der eigene Weg, sofern jemand im Betrieb die Anzeigen wöchentlich anschaut.

Facebook, Instagram oder TikTok?

Facebook und Instagram laufen bei Meta über dieselbe Anzeigenschaltung, deshalb ist die Frage in der Praxis erledigt. TikTok erreicht jüngere Bewerber und Auszubildende, braucht aber Videomaterial. Die Anbieter empfehlen für beide Plattformen 1.000 bis 3.000 Euro Werbebudget im Monat.

Wie lange dauert es, bis Bewerbungen kommen?

Die Anzeigen laufen ab dem ersten Tag, und die ersten Bewerbungen kommen in der Regel innerhalb der ersten Woche. Die Anbieter empfehlen trotzdem mindestens drei Monate Laufzeit, damit Anzeige und Zielgruppe eingespielt sind und der Betrieb sehen kann, was funktioniert.

Was mache ich mit Bewerbern, die nicht passen?

Absagen, am selben Tag, freundlich und mit dem Hinweis, dass der Betrieb sich bei passenden Stellen wieder meldet. Von 50 Bewerbungen passen im Rechenbeispiel fünf, und die anderen 45 erzählen in ihrem Umfeld weiter, wie der Betrieb mit ihnen umgegangen ist.

Quellen

  1. TalentBait, Social Recruiting Kosten 2026: talentbait.de
  2. TalentSuite, Social Recruiting Agentur Handwerk: talentsuite.io
  3. jobtastic, Was kostet Social Media Recruiting: jobtastic.io
  4. Fachkraft Jetzt, Recruiting-Kosten 2026: fachkraft-jetzt.de
  5. ZDH, Konjunkturbericht 1/2026: zdh.de
  6. Handwerkskammer für München und Oberbayern, Handwerkstrends 2026: hwk-muenchen.de