Ratgeber
Was ein verpasster Anruf Ihren Betrieb kostet
Ein Drittel der Anrufe bei Handwerksbetrieben landet auf der Mailbox oder verhallt im Klingeln, sagen mehrere Branchenquellen. Mit dem Rechner unten sehen Sie in einer Minute, was das in Ihrem Betrieb pro Monat ausmacht, und danach lesen Sie, was Sie dagegen tun können.
Die Situation, die jeder kennt
Dienstag, 14:20 Uhr. Sie stehen auf der Leiter, das Handy vibriert in der Hosentasche. Bis Sie unten sind, hat es aufgehört. Unbekannte Nummer, keine Nachricht auf der Mailbox. Sie rufen abends zurück, es geht niemand ran.
So sieht ein verpasster Anruf im Handwerk aus. Er tut nicht weh, weil Sie nie erfahren, was drin gewesen wäre. Eine Badsanierung, ein Notfall mit tropfender Decke, eine Nachfrage vom Stammkunden. Der Umsatz, der dabei verloren geht, taucht in keiner Auswertung auf, weil er nie entstanden ist.
Wie viele Anrufe im Handwerk ins Leere gehen
Eine amtliche Statistik dazu gibt es nicht. Was es gibt, sind Angaben von Anbietern und Branchenportalen, und die streuen. Agentino nennt 30 Prozent unbeantwortete Anrufe im Handwerk, Telewa schreibt von rund 30 Prozent, Vokaro verweist auf das Mittelstand-Digital-Zentrum mit 30 bis 40 Prozent. Für kleine Dienstleister kursiert die Zahl 62 Prozent, das ist allerdings eine reine Anbieterangabe ohne nachvollziehbare Erhebung.
Quellen: Agentino-Blog, Telewa-Blog, Vokaro-Branchenseite Handwerk (siehe Quellenliste). Die Spanne liegt je nach Quelle bei 30 bis 40 Prozent, die 62 Prozent sind nicht belastbar.
Alle drei Quellen haben ein Interesse daran, dass die Zahl hoch ist, sie verkaufen Telefonlösungen. Trotzdem passt die Größenordnung zu dem, was Betriebe berichten, wenn man sie fragt: Wer allein auf Montage ist und kein Büro hat, nimmt tagsüber schlicht nicht ab.
Wichtiger als die Quote ist, was danach passiert. Agentino beobachtet, dass rund 40 Prozent der Anrufer beim nächsten Betrieb anrufen, wenn niemand abnimmt. HalloPetra wirbt damit, dass drei von vier Anrufern kein zweites Mal anrufen, und nennt 420 Euro Verlust pro verpasstem Notruf. Beides sind Anbieterangaben, und die zweite ist deutlich schärfer als die erste. Für die Rechnung unten setzen wir bewusst unter beiden an.
Quellen: Agentino-Blog, hallopetra.de (Anbieterangaben ohne veröffentlichte Erhebungsmethode).
Aus Anrufen werden Aufträge, aber längst nicht aus allen
Ein Anruf ist noch kein Auftrag. Das handwerk magazin beschreibt in einem Beitrag zur Auftragsquote, dass bei vielen Betrieben 30 bis 40 Prozent der Angebote zu Aufträgen werden. Der Autor hält mehr als 50 Prozent für nötig, gut geführte Betriebe kommen auf 70 bis 80 Prozent.
Quelle: handwerk magazin, „Auftragsquote: Mehr als 50 Prozent müssen sein".
Diese Quote gilt für geschriebene Angebote. Beim verpassten Anruf sitzen Sie noch eine Stufe davor: Der Anrufer hätte erst einen Termin gebraucht, dann ein Angebot, dann seine Entscheidung. Dazwischen fallen Leute raus, die nur einen Preis vergleichen wollten oder die Nummer verwechselt haben. Deshalb ist es sauberer, mit dem unteren Rand der Angebotsquote zu rechnen, also mit 30 bis 35 Prozent.
Der Rechner
Tragen Sie Ihre eigenen Zahlen ein. Die Vorbelegung ist ein Betrieb mit 120 Anrufen im Monat, von denen 30 Prozent nicht angenommen werden. Wenn Sie nicht wissen, wie viele Anrufe bei Ihnen eingehen, hilft ein Blick in die Anrufliste des Festnetztelefons oder in die Einzelverbindungsübersicht Ihres Anbieters. Eine Woche zählen und mit vier multiplizieren reicht als Anfang.
Beim Auftragswert nehmen Sie den Durchschnitt Ihrer Rechnungen aus dem letzten Quartal, ohne die zwei größten Projekte. Die verzerren das Bild.
Warum die Zahl eher zu niedrig ist
Der Rechner geht davon aus, dass 40 Prozent der verpassten Anrufer es noch einmal versuchen und Sie sie dann auch erreichen. Das ist freundlicher als alles, was die Anbieter behaupten. Er rechnet außerdem mit der Quote für geschriebene Angebote, obwohl mancher Anrufer mit einer Terminzusage am Telefon schon Kunde geworden wäre.
Drei Dinge bildet die Rechnung gar nicht ab.
- Notdienst. Wer bei einem Rohrbruch niemanden erreicht, ruft morgen kein zweites Mal an. Der Auftrag ist in zehn Minuten woanders, und der Stundensatz wäre der höchste des Monats gewesen.
- Stammkunden. Ein Bestandskunde, der zweimal auf der Mailbox landet, meldet sich beim dritten Mal beim Wettbewerber. Mit ihm gehen alle künftigen Aufträge mit.
- Bewertungen. Wer sich mehrfach umsonst gemeldet hat, schreibt das gern in die Google-Rezension. Solche Sätze lesen dann Anrufer, die Sie nie gesehen haben.
Auf der anderen Seite gibt es Anrufe, die nichts wert sind: Werbeanrufe, Lieferanten, Bewerber, die falsche Nummer. Die stecken in Ihren 120 mit drin. Wenn Sie es genau wissen wollen, zählen Sie eine Woche lang mit, welche Anrufe von Kunden kamen.
Ein verpasster Anruf kostet selten den einen Auftrag, den Sie sich gerade vorstellen. Er kostet die Summe aus dem, was nie angefragt wurde, und die sehen Sie in keiner Auswertung. Deshalb lohnt es sich, die Zahl einmal für den eigenen Betrieb auszurechnen und dann drei Wochen lang mitzuzählen.
Was Sie ohne neue Technik tun können
Bevor Sie irgendetwas kaufen, gibt es drei Dinge, die in jedem Betrieb sofort gehen und nichts kosten außer Disziplin.
Ein festes Rückruf-Zeitfenster
Legen Sie zwei Zeiten am Tag fest, zu denen Sie alle verpassten Anrufe zurückrufen. 12:30 Uhr in der Mittagspause und 17:00 Uhr nach der letzten Baustelle sind bei vielen Betrieben realistisch. Der Trick liegt darin, dass es feste Zeiten sind. Wer „irgendwann heute" zurückruft, ruft in der Praxis morgen zurück, und dann hat der Anrufer schon beim nächsten Betrieb angerufen.
Eine Mailbox-Ansage mit Zusage
Die Standardansage „Sie sind verbunden mit der Mailbox von" bringt niemanden dazu, eine Nachricht zu hinterlassen. Eine Ansage, die einen Namen, den Grund und eine Uhrzeit nennt, schon: „Hier ist die Firma Musterbau, wir sind gerade auf der Baustelle. Sprechen Sie Ihren Namen und Ihre Nummer auf, wir rufen heute bis 17:30 Uhr zurück. Bei einem Notfall drücken Sie die Eins." Das Versprechen müssen Sie dann allerdings halten, sonst ist es schlimmer als gar keine Ansage.
Anrufweiterleitung nach Regel
Fast jeder Telefonanschluss kann nach ein paar Klingeltönen auf ein anderes Gerät weiterleiten. Im kleinen Betrieb ist das oft die Partnerin oder der Partner im Homeoffice, oder der Geselle, der gerade im Lager ist. Sprechen Sie ab, wer wann dran ist, und legen Sie einen Zettel neben das Telefon: Name, Nummer, Anliegen, Rückruf bis wann. Mehr braucht es zunächst nicht.
Damit holen Sie bei einem typischen Betrieb einen guten Teil der verlorenen Anrufe zurück. Ganz schließen lässt sich die Lücke so nicht, denn irgendwann sitzt jeder im Kundengespräch, im Auto oder im Urlaub.
Wenn das nicht reicht
Ab einer gewissen Größe laufen so viele Anrufe auf, dass die Zettelwirtschaft nicht mehr trägt. Dann stehen drei Wege offen: eine Bürokraft in Teilzeit, ein Telefonservice mit Menschen oder ein Telefonassistent, der Anrufe annimmt, das Anliegen aufnimmt und Rückrufe organisiert.
Wir bieten den dritten Weg als betreuten Telefon-Innendienst an: Der Assistent nimmt jeden Anruf an, hält sich an Regeln, die wir mit Ihnen schreiben, und gibt Notfälle sofort an Sie weiter. Ob das für Ihren Betrieb passt oder ob die Mailbox-Ansage erst einmal reicht, hängt an der Zahl, die Sie oben ausgerechnet haben. Wie sich die Anbieter am Markt unterscheiden, steht im Vergleich der KI-Telefonassistenten.
Acht Jahre lang war Stefan Fleckenstein im Schadenservice eines Versicherers dafür zuständig, wie über 160 Servicebetriebe erreichbar waren, zurückriefen und Aufträge abwickelten. Die meisten davon hatten dasselbe Problem: Das Telefon klingelte, wenn niemand im Büro war.
Häufige Fragen
Woher weiß ich, wie viele Anrufe ich verpasse?
Die Anrufliste Ihres Festnetztelefons oder die Einzelverbindungsübersicht im Kundenportal Ihres Telefonanbieters zeigt eingehende Anrufe mit Dauer. Alles mit null Sekunden Gesprächsdauer war ein verpasster Anruf. Eine Woche auszählen reicht für eine erste Zahl.
Sind die 30 Prozent für meinen Betrieb überhaupt realistisch?
Die Zahl stammt von Anbietern und Branchenportalen, eine amtliche Erhebung gibt es nicht. Ein Betrieb mit Bürokraft liegt meist deutlich darunter, ein Einzelunternehmer auf Montage oft darüber. Tragen Sie im Rechner Ihre eigene Zahl ein, sobald Sie eine haben.
Warum rechnet der Rechner mit 60 Prozent verlorenen Anrufern statt mit 75?
HalloPetra nennt drei von vier, Agentino rund 40 Prozent. Wir haben einen Wert dazwischen gewählt, damit das Ergebnis nicht an der schärfsten Anbieterangabe hängt. Wer es vorsichtiger mag, senkt im Rechner die Quote der nicht angenommenen Anrufe.
Reicht ein Anrufbeantworter mit guter Ansage?
Für viele kleine Betriebe ja, wenn der Rückruf zur zugesagten Zeit auch kommt. Die Grenze ist erreicht, wenn Sie abends regelmäßig eine lange Rückrufliste vor sich haben oder wenn Notdienst-Anrufe dabei sind, die keine drei Stunden warten können.
Quellen
- Agentino, Blog: „30 Prozent der Handwerks-Anrufe gehen verloren", agentino.de (Anbieterangabe).
- Telewa, Blog: „Erreichbarkeit im Handwerk: verpasste Anrufe", telewa.de (Anbieterangabe).
- Vokaro, Branchenseite Handwerk mit Verweis auf das Mittelstand-Digital-Zentrum, vokaro.net (Anbieterangabe).
- HalloPetra, Startseite, hallopetra.de (Anbieterangaben „3 von 4" und „420 Euro pro verpasstem Notruf").
- handwerk magazin: „Auftragsquote: Mehr als 50 Prozent müssen sein", handwerk-magazin.de.